Überzählige Tierkinder im Zoo - Leben lassen oder töten?26.07.2010 Adele Sansone
Fischotter Alpenzoo - Adele Sansone
Ausgehend vom Gespräch mit Alpenzoo-Direktor Dr. Michael Martys über Artenschutz, Fortpflanzung und Nachwuchs im Zoo werden hier noch verschiedene Gesichtspunkte rund um den sensiblen Bereich des "Tötens von Zootieren" zusammen gefasst. Überzählige Tiere im ZooAls "überzählige" Tiere werden im Zoobereich Jungtiere bezeichnet, für die kein Platz innerhalb der Zoos gefunden werden kann. Das Töten „überzähliger“ Tiere ist ein sehr emotionsbeladenes Thema, mit dem man sich aber auch befassen muss, sofern man der Realität ins Auge zu blicken bereit ist. Allerdings ist dies - den Schlagzeilen zum Trotz - nicht Alltag für die Zoos, sondern eine Ausnahmesituation. "Lieber tot, als schlecht untergebracht "– ist hier der Grundsatz der Zoos. Emotional schwer zu vermitteln. Qualen und Leiden durch unsachgemäße Haltung sind allerdings auch keine Alternative. Futtertiere contra NachzuchtWas viele vergessen ist, dass es im Zoo nicht nur die Tiere gibt, die wir beobachten können, sondern auch viele Tiere hinter den Kulissen. Die Futtertiere. Gibt es eigentlich Unterschiede? Hat nicht jedes Tier als Individuum ein Recht auf Leben? Einerseits ergötzen sich viele Besucher bei öffentlichen Fütterungen an der possierlichen Art in der etwa die Nasenbären die toten Mäuse aus den Hosentaschen der Pfleger ziehen. Machen sich die Besucher Gedanken, woher die Mäuse kommen? Wie sie zu Tode kommen? Erschüttert sie der Anblick der toten Mäuse? Oder ist das einfach "nur" Futter? Die angekündigte Tötung eines jungen Bären, der „überzählig“ ist, würde aber Protest hervor rufen. Ist der Bär mehr wert als die Maus? Ist die Herangehensweise amerikanischer Zoos, die Raubtiere öffentlich nur mit Hackfleisch füttern, weil Kinder nicht erfahren sollen, dass Tiere Tiere fressen, die bessere Methode? Ist die naturnahe Fütterung, Fleisch am Knochen, ganze Hühner, wie es die europäischen Zoos machen, nicht ehrlicher? Ein Abbild der realen Welt - das auch mehr Verständnis für die biologischen Abläufe vermittelt. Besucherumfrage "Töten von Futter- und Zootieren"Eine Frage lautete: "Haben Sie eine Vorstellung, woher das Futter für fleischfressende Tiere herkommt?" Zu 50% waren sich sowohl Männer als auch Frauen der Herkunft bewusst. "Wissen Sie, dass ein Teil des tierischen Futters durch Zoomitarbeiter fachgerecht getötet werden muss?" Auch das bejahten knapp über 50 %. Auf die Frage: "Artgerechte Tierhaltung bedeutet also auch das Verfüttern von Tieren. Akzeptieren Sie das?", gab es folgende Antwortmöglichkeiten: "Schockiert Sie das? Haben Sie Mitleid?" Wobei vorwiegend Kinder und die Jugend (bis 20 Jahre) mit Ablehnung reagierten, die Mehrheit der Frauen Mitleid mit den getöteten Tieren hatte. Aber die überwiegende Mehrheit vertrat die Ansicht, dass dies dem „natürlichen Kreislauf“ entspräche und fleischfressende Tiere auch im Zoo ihre gewohnte Nahrung bekommen sollten. Frage: "Überzählige Tiere, die keinen Platz in anderen Zoos gefunden haben, müssen eingeschläfert werden. Akzeptieren Sie das und kommen wieder in den Zoo?" Auch das akzeptierte und bejahte eine deutliche Mehrheit. Quelle: Rigi-Symposium 2003 (200 Zoobesucher im Alpenzoo wurden dazu befragt) Interessant ist unser eigenes zwiespältiges Verhalten. Denn kein fleischfressendes Haustier, ob Katze oder Hund, könnte ohne die notwendigen Futtertiere, allerdings versteckt und fein säuberlich in Dosen verpackt, überleben. Da nehmen wir den Tod eines anderen Tieres ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf. Daran sollte man beim nächsten empörten Aufschrei denken. ResümeeDer Tod von Zootieren ist für viele Menschen ein schockierender Gedanke, paradoxerweise sogar für Menschen, die Tierfleisch auf dem Teller nicht schockierend finden. Aufgabe der Zoos ist es, unter Berücksichtigung des artgerechten Wohlbefindens die Zahl an überzähligen Tieren so gering wie möglich zu halten. Notwendige Tiertötungen sind nur das letzte Mittel. Man sollte aber den Zoos als "Sorgeberechtigten" für ihre Tiere Vertrauen entgegen bringen, dass sie die unmittelbaren Bedürfnisse der Lebewesen, für die sie verantwortlich sind, stets im Auge haben. Eine berechtigte Kontrolle spricht dem nicht entgegen. Dass Organisationen, wie Peta, diese Tötungen hochgradig verteufeln, ist allerdings scheinheilig. Denn auch Peta (Virginia) selbst muss aus Platzgründen ihnen anvertraute Tiere töten lassen. Und wenn Peta für sich in Anspruch nimmt: "Das ist nur eines der vielen Dinge, die wir tun um das Leiden der Tiere zu verringern", dann muss sie diese Folgerung auch einen Zoo fällen lassen. Das Schaffen von alternativen Möglichkeiten inner- und außerhalb der ZoosEs muss bei diesem Thema erlaubt sein, noch andere alternative Möglichkeiten für überzählige Tiere an zu denken. Vielleicht kann man doch überregional Einrichtungen wie Junggesellenherden oder eine Art Gnadenhof für Tiere schaffen, die überzählig, nicht zur Zucht geeignet oder nicht mehr fortpflanzungsfähig sind, in denen sie aber angemessen gehalten werden? Hier ist möglicherweise noch einiger Spielraum gegeben. Urheberrecht: Adele Sansone. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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